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Von allen das Schlechteste - Unterschichtenarmut, saukomisch: das Theater an der Glocksee spielt Richard Dressers „Augusta“ - Von André Mumot Sobald das Wort „Mindestlohn“ [...]
Kritik mit einem Lächeln Von Hanne Lübbehüsen „Wenn du nicht funktionierst, freut sich ´ne andere“ sagt Molly zu Claire. Sozialkritisch, aber trotzdem humorvoll war der Premierenabend der [...]
Augusta
von Richard Dresser
Deutsch von Marius von Mayenburg
im S. Fischer Verlag

Premiere am 16. April 2008
weitere Vorstellungen
18., 23., 25., 26. und 30. April
16., 17., 23. und 24. Mai
11., 13., 14., 18., 20., 21., 25., 27. und 28. Juni
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Ausgewählte Szenen während der „Langen Nacht der Theater“
am 19. April 2008

mit Helga Lauenstein, Christoph Linder und Laetitia Mazzotti
Regie:
Claire Lütcke
Raum: Ulrike Glandorf
Licht: Alexander Tripitsis
Kostüme: Maren Lepping
Musik: Ritchie Staringer

AUGUSTA wurde sowohl in den USA als auch in Deutschland (Schaubühne am Lehniner Platz, in der Regie von Rafael Sanchez) erstmals in der Spielzeit 2005 / 2006 aufgeführt.

Es ist eine ebenso realistische wie phantastische Komödie, ein Märchen des 21. Jahrhunderts. Wie „Aschenputtel“ beginnt es mitten in der Not:

„Was haben wir zu verlieren?“ Das fragt die eine Frau die andere nachdem sie sich sowohl gegenseitig als auch gemeinsam in den Dreck der spätkapitalistischen Gesellschaft gestürzt haben - auf Knien – Molly und Claire sind nämlich Putzfrauen und kennen die Welt von ganz unten (da leben sie) bis ganz oben (da putzen sie). Sie müssen froh sein, dass sie diese Jobs haben, von denen sie sich und ihre längst schon in die Asozialität abgestürzten Ehemänner ernähren.

Ihr Chef heißt Jimmy. Er ist neu in der Regionalverwaltung der Putzfirma.
Claire ist auch neu und bekommt als Auszubildende noch nicht einmal den Mindestlohn. Molly kennt das Leben und den Laden schon länger und hat als Teamleiterin die Pflicht und die Macht, Berichte über Claire zu schreiben.

Neben Macht, Pflicht und desillusionierenden Erfahrungen hat Molly auch noch Rücken- und Knieschmerzen. Mit diesem Bündel schlagkräftiger Argumente nötigt sie Claire dazu, widerspruchslos die gröberen Putzarbeiten für sie mit zu übernehmen….

Claire ist jung, naiv und unverbraucht und hat die Hoffnung auf ein besseres Leben noch lange nicht aufgegeben. Darin erkennt Jimmy seine Chance, verspricht Claire den Aufstieg zu Teamleiterin, verführt sie zum Verrat der Kollegin und belohnt sie mit der Einladung, ihn zur Jahrestagung der Firma in Augusta zu begleiten – wo Claire dann alle die „wichtigen“ Chefs treffen und beeindrucken und zum ganzen großen Karrieresprung ansetzen wird … das Aschenputtel des 21. Jahrhunderts träumt vom goldenen Kleid….
Jimmy ist überaus korrekt. Er würde seiner Firma niemals überflüssige Hotelspesen zumuten und bucht in Augusta für beide nur ein gemeinsames Zimmer. Damit gelangt dann auch Claires Traum an sein abruptes Ende.

Claire trifft die Chefs nicht, Jimmy ist frustriert und zu hause wartet eine weitere unangenehme Überraschung: die wertvollen Silberlöffel ihrer wichtigsten Auftraggeberin wurden gestohlen. Alles deutet darauf hin, dass Claires Mann, dessen Skrupellosigkeit bekannt ist, den Diebstahl begangen hat….

Die Geschichte von Molly und Claire endet nicht wie das altmodische Märchen. Ein rettender Prinz ist nicht in Sicht. Richard Dressers Blick auf die Kluft zwischen arm und reich bleibt realistisch. Er erlaubt sich, seinen Protagonistinnen und uns aber einen unverschämten, spielerischen und pragmatischen Vorschlag zur vorurteilsfreien „Weltverbesserung“. Selbst wer etwas mehr als Molly und Claire zu verlieren hat, hat noch viel mehr zu gewinnen: Zum Beispiel die Offenheit für menschenwürdiges Verhalten und eine hemmungslos humorvolle Phantasie.