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Chinesen
Von Michael Frayn
Premiere am 26. September 2003

Mit Helga Lauenstein und Willi Schlüter, auf der Hinterbühne: Nina Messerschmidt

Regie: Claire Lütcke
Bühne: Ulrike Glandorf
Licht: Alexander Tripitsis
Kostüme: Maren Lepping, Kathinka Van Volxem

„Chinamen“ – so heißt die Extremvariante einer klassischen Verwechslungskomödie, weil ja alle so gleich sind, dass sie schon fast gleich aussehen - wie Chinesen für das oberflächliche Europäer-Auge eben... – sie haben die gleichen Jobs, die gleichen Wohnungen, hören die gleiche Musik, lesen die gleichen Bücher, haben die gleichen Kinder, Meinungen, Krankheiten, Autos, Gedanken etc.

Zumindest Stefann, der Gatte, hat es aufgegeben, die Freunde und ihre verwirrenden Trennungen und Paarungen noch auseinander zu halten. Gabi, Stefans Frau, dagegen hätte alles im Griff, wenn nur die Verwirrung ihres Mannes nicht wäre....

Zwei Paare sind zum Essen eingeladen – und während Stefann in der Hektik der letzten Vorbereitungen wieder einmal vergeblich versucht, sich die zueinander gehörenden Namen einzuprägen (Peter und Nora, Tina und Bernhard – oder wie?) stellt sich heraus, dass er in erschreckender Weise nicht auf dem aktuellen Informationsstand ist. Tina hat nämlich Bernhard verlassen und sich mit Kim zusammengetan, ist mit Kim auch an diesem Abend eingeladen – während der verlassene und tendenziell depressiv-betrunkene Trauerkloß Bernhard vom Freundeskreis eher gemieden wird. Das Unglück will es aber nun, dass der zerstreute Stefan Freund Bernhard auf der Straße getroffen hat und ihn mit einem jovialen „Wir sehen uns dann ja bald bei uns zum Essen!“ beglückt und ebenso unwissentlich wie wider den Willen seiner Frau „eingeladen“ hat.

Hier nun setzt das verzweifelte Krisenmanagement von Gabi ein: In einer über Vordertür, Wohnzimmer, Esszimmer, Küche, Flur und Hintertür verteilten Choreographie sorgt sie dafür, dass sich von sieben anwesenden Personen nur diejenigen treffen, die sich auch treffen dürfen – mit dem Erfolg, dass sich genau die Falschen treffen und einander zuweilen auch für je andere halten in einem atemlosen Tür auf - Tür zu –Spiel.
Fünf Personen treten auf, zwei weitere erahnen wir im Nebenzimmer als Stimmen aus dem Off und als Whisky-einschenkende Hände, die in offenen Türen sichtbar werden. Fünf Gäste werden von zwei Gastgebern mit allem, auch mit perfekter gastgeberischer Konversation versorgt und verbringen zum Teil durchaus einen netten Abend. Die völlig ermatteten Gastgeber gehen dann zum Schluss – als alle gegangen sind – zum Italiener an der Ecke....

Zwei Schauspieler haben das rasante Spiel in ebenso rasantem Kostüm- und Figurenwechsel zu bewältigen: links als Stefan raus, rechts als Bernhard rein, rechts als Gabi raus, links als Kim rein - während von links noch Stefan aus dem Off mit der eben entschwundenen Gabi spricht, steht diese schon als Tina in der anderen Tür....

Es galt, einen hochvirtuosen Spaß zu bauen, der allerdings nicht frei von der bitterzynischen Aussage bleibt, wie grässlich verwechselbar wir doch alle sind und wie sehr unser glattes, perfektes Leben von dem Stress geprägt ist, es immer allen im letzten Moment doch noch recht machen zu müssen.

Was ist Glück? Mit knapper Not der Peinlichkeit entronnen zu sein