Brüchige Welt
Das Theater an der Glocksee spielt Tennessee Williams’ „Die Glasmenagerie“
Von Ronald Meyer-Arlt
Auszug:
… Eigentlich war für diesen Sommer etwas [...] |
Hauskritik #1
Von Nicola Bongard
Wer mal wieder Lust hat auf ein Theater, das genauso ist, wie man sich gemeinhin Theater vorstellt, und das aber gerade deshalb nicht etwa muffig, sondern [...] |
Jubel für „Glasmenagerie“…
Auszug:
Ein Weltkrieg steht vor der Tür. Kanonendonner von ferne*) und der Traum vom großen Abenteuer wirbeln die kleinbürgerliche Welt des [...] |
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Die Glasmenagerie Übersetzung von Jörn van Dyck
Mit freundlicher Genehmigung der
University of the South, Sewanee, Tennessee
Aufführungsrechte Verlag Jussenhoven & Fischer
Premiere am 5. Mai 2006
Mit Helga Lauenstein, Nadja Bobyleva, Bartholomäus Kleppek, Daniel Seniuk, Jędrzej Tymczuk (Klavier)
Regie: Claire Lütcke
Raum: Ulrike Glandorf
Licht: Alexander Tripitsis
Kostüme: Maren Lepping,
Projektionen: Martin Seim
Gesangscoaching: Karin Fischer
Regiehospitanz: Pia Fedelucci
Fotos: Michael Neugebauer
Tennessee Williams regte an, bei der Aufführung dieses Stückes Musik und Projektionen zu verwenden. Einem großen Teil dieser Vorschläge folgen wir. Sie öffnen einen spielerisch humorvollen Blick auf das zunächst eher melodramatische Stück.
Bei vielen der Projektionsvorschläge handelt es sich um Zitate – aus comics, aus Illustrierten, aus dem Familienalbum, aus Gedichten – eine wilde Mischung.
Die beiden schönsten Zitate entstammen einem Gedicht von Emily Dickinson,
LOVE
Elysium is as far as to
The very nearest room,
If in that room a friend await
Felicity or doom.
What fortitude the soul contains,
That it can so endure
The accent of a coming foot,
The opening of a door!
Die Überschrift und die letzten beiden Zeilen leuchten den Zuschauern in einer – folgt man dem Wortlaut – tragikomischen und peinlichen Szene entgegen. Noch dazu ist diese Szene so geschrieben, als entstamme sie einer knalligen Soap. Und dazu assoziiert Williams ein sanft schwingendes und zugleich schmerzlich gespanntes Gedicht von Liebes– und Todeserwartung!?
An anderer Stelle schlägt er vor, zu einer ebenso berührenden wie banalen Streitsituation zwischen Mutter und Sohn als Musik ein „Ave Maria“ zu verwenden.
In diesen Verbindungen des nicht Zusammengehörenden öffnen sich Räume für die eigene Phantasie, für die heitere und schmerzhafte Unerträglichkeit des ewig Unsagbaren. Die Figuren verschweigen nämlich ihre Fragen und ihre Antworten. Sie spielen miteinander und mit zerbrechlichen Glasfigürchen. Sie sagen und fragen viel, aber nie das, worum es ihnen eigentlich geht.
Der Rückgriff auf die Autobiographie von Tennessee Williams legt eine höchst übersichtliche „Bedeutung“ des Stückes nahe. Tom Wingfield, der Dichter, steht für Thomas Williams selbst (Tennessee war sein Künstlervorname), Amanda Wingfield für Edwina Williams, seine Mutter und Laura Wingfield, die „Blaue Rose“, für Williams’ Schwester Rose. Die Parallelen sind unzählig...
Was das Stück höchst offenkundig verschweigt, ist die (vom wirklichen Thomas Tennessee Williams bekanntlich frei gelebte und vertretene) Homosexualität des Tom Wingfield. Es gelingt Williams in diesem spielenden Verschweigen eine Liebkosung für seine Bühnen-Schwester mit Toms bzw. seinem eigenen radikalen und womöglich destruktiven Freiheitswillen zu verbinden.
Solche kleinen und witzigen Wunder sind im Theater möglich. |