von Anton Cechov und Olga Knipper
Zusammengestellt und übersetzt von Andrea Clemen
Im S. Fischer-Verlag
Premiere am 05. Oktober 2005
Mit Jürg Holl, Helga Lauenstein und Nadja Bobyleva
Regie: Claire Lütcke
Raum: Ulrike Glandorf
Licht: Alexander Tripitsis
Kostüme: Maren Lepping
Fotos: Caroline Otteni
Der berühmte Autor und die Schauspielerin hatten weniger als sechs gemeinsame Jahre. Den größten Teil dieser Zeit lebten sie voneinander getrennt. Anton Cechov hatte Tuberkulose und musste sich daher möglichst in milderem Klima aufhalten: in Jalta oder auch in Nizza. Olga Knipper lebte und arbeitete als Schauspielerin des Künstlertheaters in Moskau.
Die beiden lernten sich am 9. September 1898 anlässlich einer Leseprobe zu Cechovs Stück „Die Möwe“ kennen.
In diesem Stück gibt es einen erfolgreichen Schriftsteller: Trigorin, kein Selbstportrait Cechovs, wohl aber eine Figur, die mit vielen Details ausgestattet ist, die auch für Cechov selber typisch waren. Dieser Trigorin lebt zusammen mit der wesentlich älteren Schauspielerin Arkadina und verliebt sich dann in das junge Mädchen Nina... In der Angst, ihren Geliebten zu verlieren, sagt Arkadina zu ihm:
„Du bist die letzte Seite meines Lebens!“
Ist das verzweifelt komisch – oder komisch verzweifelt? Es ist verzweifelt. Und es ist komisch.
Olga Knipper spielte damals die Arkadina, eine Rolle, für die sie eigentlich zu jung war.
Kurze Zeit nach dieser Begegnung begann der Briefwechsel – über achthundert Dokumente von Freundschaft, Verliebtheit, Liebe, Ehe, Arbeit, Sehnsucht, Krankheit und nahendem Tod. In einem der ersten Briefe schrieb Anton an Olga – und zitierte damit sich selbst und
sie - : „Seien Sie gegrüßt, letzte Seite meines Lebens!“
Olga Knipper spielte in den folgenden Jahren in Cechovs Stücken „Onkel Wanja“ die Elena, in den „Drei Schwestern“ die eigens für sie geschriebene Masa und im „Kirschgarten“ die Ranjewskaja.
Die Fernliebe war also immer auch genährt von der Arbeitsbeziehung: Er schrieb im Gedanken an sie, sie gab seinen Texten Stimme und Körper: Es spannte sich ein Bogen von Hingabe, Ungeduld, Lust, Triumphen und Niederlagen zwischen dem Theater in Moskau und Cechovs „Kurorten“ Jalta und Nizza. Beim Lesen und Lernen seiner Bühnentexte konnte Olga immer wieder Anspielungen auf ihr persönlichstes Lebens entdecken, Zitate aus Briefen, die sie an ihn geschrieben hatte... Ihre intimen Gemeinsamkeiten schoben sich durch Olgas Interpretation von Antons Werken in die Öffentlichkeit der Bühne - stets dezent verschleiert durch das Gewebe des Textes: ein offenbares Geheimnis, ein sublimes „Liebes-Spiel“.
Die Masa in den „Drei Schwestern“ ist eine leidenschaftlich und hoffnungslos Liebende ohne Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft mit dem Geliebten; die Ranjewskaja im „Kirschgarten“ (Cechovs letztem, im Angesicht des Todes geschriebenem Stück) vergisst ihren alten Diener im abgeschlossenen Haus der verlorenen Kindheit....
Es wäre dumm und anmaßend, Cechovs Stücke auf diese persönlichen Einblicke zu reduzieren oder sie etwa von hier aus „autobiographisch“ zu interpretieren. Es geht um den umgekehrten Blick, der uns zeigt, wie klug, wie schonungslos, wie zärtlich und wie scharfsinnig Theater sein kann. Wie es uns begreifen lassen kann, wie das gehen könnte: zu leben, zu arbeiten, zu lieben und zu sterben ohne dabei so plump und pathetisch und sentimental zu sein, wie wir es meistens sind. Das Experiment dauert an. Cechov dauert an. Sein Lächeln dauert an.
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Der Partyservice „Suliko“ servierte – integriert in die Vorstellung, zu der das Publikum mit den Schauspielern am großen Tisch saß - gefüllte russische Eier nach traditioneller Art, Borschtsch mit Schmand, Roggenbrot und einem Gläschen Wodka, Blinis mit Schmand und dazu wahlweise roten Kaviar oder Honig