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Neue Presse Hannover, 12. September 2008
Lächerlichkeit des Tragischen
Theater an der Glocksee zeigt Tschechows „Onkel Wanja“
Von Hagen Eichler

Wo Sitten sind, aber keine Freude ist, da können jene leicht verfallen. In „Onkel Wanja“ bringt eine junge Frau Chaos in die lethargische Ordnung auf einem russischen Gut. Zu sehen war das in Claire Lütckes emotionsgeladener Inszenierung des Tschechow-Dramas im ausverkauften Theater an der Glocksee.
Abends wird zu Mittag gegessen, die alte Kinderfrau Nnjanja (Helga Lauenstein) beklagt den Verfall der Arbeitsmoral, und Onkel Vanja (Christoph Linder) trinkt statt Wasser nur noch Wodka. Der Grund für den Müßiggang? Die junge Elena (sexy: Elena Schmidt-Arras), die zum Lustobjekt und Zeitvertreib wird.
Sich selbst bezeichnet sie als Episodenfigur. Und so bleibt es auch nur eine Episode des Sittenverfalls, eingeleitet durch den früheren Ehemann von Vanjas verstorbener Schwester, den Professor Srerbrjkaow (Helga Lauenstein). Seine Entscheidung, mit Jelena auf dem Gut zu leben, liefert sie den Männern aus. Und die Männer sind ihr ausgeliefert.
Einer von ihnen ist ein Arzt namens Astrow, gespielt von Philipp Denzel. Und das so, wie es Tschechow vorschwebte: elegant, sensibel, „aber ohne echte Leidenschaft“. Auch Christoph Linders Wanja überzeugte am Premierenabend. Er schrie, weinte und tobte, als ginge es um sein Leben. In seinen Monologen zeigte er dem Publikum, wie lächerlich selbst das tragischste Schicksal sein kann.
Als Jelena und der Professor das Gut verlassen, stürzt er sich wieder in die Arbeit, um dem Selbstmord zu entgehen. Das Stück endet nur pseudohappy, das Publikum bleibt in einer Mischung aus Freude und Entsetzen zurück. Zynisches Ende, gelungene Inszenierung.
(Vier von fünf möglichen Sternen)