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Hannoversche Allgemeine Zeitung, 7. Mai 2007 Die Nadelprobe
„Sehn-Sucht“ nach der Autobiografie von Silvana Klein im Theater an der Glocksee
Von Ronald Meyer-Arlt
Die Autorin ist glücklich. „Ich hätte nicht gedacht, dass man das szenisch so umsetzen kann“ sagt sie nach der Premiere, und dann sagt sie noch: „Toll.“ Silvana Klein, die in Laatzen aufgewachsen ist, hat zwei Bücher über ihr Leben geschrieben. Sie wurde zwar erst 1971 geboren, aber sie hat viel zu erzählen: viel Schreckliches. Sie ist in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, die Mutter drogenabhängig, der Vater gewalttätig und bald durch wechselnde Ersatzväter ersetzt, einer schlimmer als der andere. Früh kam Silvana Klein mit Drogen in Kontakt. Als sie 17 war, hat ihre Mutter mit ihr LSD genommen und ihr von ihrem Heroin abgegeben. Aber ihre erste Berührung mit Drogen hatte sie bereits viel früher: „Das erste Mal kam ich mit LSD in Berührung, als ich im Fruchtwasser meiner lieben Mama schwamm“, heißt es in „Affenliebe“, ihrem ersten Buch, das 2002 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.
Das Theater an der Glocksee hat die Lebensgeschichte der Silvana Klein jetzt unter dem Titel „Sehnsucht“ auf die Bühne gebracht. Zwei Schauspielerinnen (Elena Böhmer und Aza Thelandersson) sprechen die Texte aus „Affenliebe“ und spielen in verschiedenen Rollen Szenen aus Silvanas Leben.
Dokumentarisches Theater ist dabei aber nicht herausgekommen, sondern etwas ganz Eigenes. Regisseurin Claire Lütcke gelingt eine atmosphärisch reiche, gleichermaßen bedrückende wie beglückende Inszenierung. Sie nutzt dazu viele Theaterformen. Mit Kammerspiel und Pantomime, Tanz und Gesang (und mit ihren beiden hervorragenden Darstellerinnen) schafft sie es immer wieder, Situationen aus dem Leben eines einsamen Mädchens in harter Welt nachfühlbar zu machen.
Ritchie Staringer hat viele Szenen mit elektronischer Musik unterlegt. Manchmal singen die Schauspielerinnen dazu. Das streift dann die Grenze zum Kitsch, ist aber weiter nicht schlimm, weil das eben auch eine Menge mit dem wirklichen Leben und wirklichen Gefühlen zu tun hat. Am Anfang sitzen beide Darstellerinnen eng umschlungen auf einer Schaukel, die sich leicht hin- und herbewegt. Im Halbdunkel singen sie zu der fremden elektronischen Musik ein schwedisches Schlaflied. Das ist ein schönes Bild wunderbarer Geborgenheit. Und es markiert einen Sehnsuchtspunkt, den bedenken muss, wer Drogenkarrieren verstehen will.
Dem Theater an der Glocksee ist ein starkes Stück zu einem starken Buch gelungen. Silvana Klein war zufrieden. Wir anderen auch.
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