Krieg. Stell dir vor, er wäre hier

Ein Gedankenexperiment. Von Janne Teller.

Termine

26. / 30. November 2016
2. / 3. / 7. / 9. / 10. / 14. / 16. / 17. Dezember 2016

Beginn 20 Uhr. Eintritt 14 € / 10 € erm.

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50 Millionen Menschen sind aktuell weltweit innerhalb und außerhalb ihres Herkunftslandes auf der Flucht, so viele, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Noch kommen sie auch nach Deutschland, um Schutz zu suchen. 
Wie ginge es uns, wenn wir selber fliehen müssten vor Bomben und Raketen? Wenn die EU auseinanderbricht und Deutschland sich mit Ländern wie Frankreich, Griechenland und Spanien im Krieg befindet? Nordafrika und der nahe Osten wären die nächsten friedlichen Gegenden, in die die Deutschen fliehen. Wie geht es dort weiter, wenn man kein Arabisch sprechen oder lesen kann und jahrelang im Flüchtlingslager ausharrt ohne Schule und Arbeitserlaubnis? Wenn einen seine blauen Augen immer als »fremd« verraten?

Das Gedankenexperiment von Janne Teller dreht die Perspektive und ermöglicht eine emotionale Reise, die wir hoffentlich so nie erleben müssen. Und erlaubt hierdurch, Dinge nachzuvollziehen, die sonst in Nachrichten und Statistiken Zahlen und Fakten bleiben.

Ensemble Helga Lauenstein, Jonas Vietzke, Mikaeil Omidi, Mohammad Hussein Zargar.
Künstlerische Leitung Lena Kußmann.
Bühne Ulrike Glandorf.
Licht Alexander Tripitsis.
Abendtechnik
Timo Staaks.

Programmheft PDF / ISSUU

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Kommentar von Lena Kußmann zur 2. Wiederaufnahme

Auch nach knapp 2 Jahren täglicher Berichterstattung in den Medien über Flüchtlinge, die zu uns nach Deutschland kommen, nach 2 Jahren, in denen viele von uns auch persönliche Kontakte geknüpft und Schicksale miterlebt haben, schafft es Janne Tellers winziges Gedankenexperiment nach wie vor auf Platz 1 meiner Phantasie - und Empathie – Brücken: Durch ihre kleine Erzählung schaffe ich es immer wieder, mir das Unvorstellbare - den Krieg, auch in unserem Land – vorzustellen. Natürlich kann man sich fragen – »möchte ich das denn?« Ich in meinem Fall möchte es, denn dadurch gelingt es mir immer wieder, mein Herz zu öffnen - und offen zu halten in all den beängstigenden Nachrichten in diesen unseren Zeiten. Weil ich im sicheren Rahmen selbst erfahre, was es heißt, nicht zu verstehen, ausgeliefert zu sein, die Regeln nicht zu kennen, falsch verstanden zu werden und meinen Platz nicht zu finden, nichts tun zu dürfen und ausharren zu müssen. Und die Hoffnung niemals aufzugeben für die Rückkehr in ein friedliches, liebevolles Zuhause mit den Menschen, die mir dort noch geblieben sind. Doch all das gibt es nicht mehr. »Jemand kam und stahl dein Leben. Und machte es zu etwas, was weder hier noch dort ist.«

All das schafft die Erzählung in einer für dieses Thema erstaunlichen liebevollen Art und Weise, die mir die unendlichen Grausamkeiten erspart aber meine Phantasie dennoch in eine Richtung anschubst, die mich zum Nachdenken und Mitfühlen auffordert und mein Herz berührt. Janne Teller ist als Autorin von »Krieg. Stell dir vor, er wäre hier« meiner Meinung nach etwas Großartiges gelungen und ich bin sehr dankbar, dass sie uns diese Erfahrung möglich gemacht hat und hoffe, dass wir mit unserer Wiederaufnahme der Inszenierung des Stoffes dazu beitragen können, dass wir unsere Herzen und Köpfe offenhalten und alles dafür tun, den Frieden zu bewahren.

Pressestimmen

»Beifall im Stehen – das gibt es im Freien Theater in Hannover nicht so oft. Aber hier gab es ihn, und er war absolut berechtigt. (...) Das, was Tausende von Menschen in Deutschland erleben, erlebt hier der Theaterzuschauer. Wie es ist, ein Flüchtling zu sein. Janne Teller will, dass sich der Leser das intensiv vorstellt. Diese Einbeziehung, diese direkte Konfrontation sucht auch Lena Kussmann, die das Stück im Theater an der Glocksee inszeniert hat. (...) Man spürt (ein bisschen), wie es ist, ein Fremder zu sein. 
Die Schauspieler (Helga Lauenstein und Jonas Vietzke) mischen sich unters Publikum, geben Anweisungen, führen die Besucher durchs aufwändig gestaltete Theaterlabyrinth (Bühne Ulrike Glandorf). Lauenstein und Vietzke spielen ohne große Emotionalität, aber gerade dieses distanziert Erzählerische macht den Text so eindringlich. Dazu kommt eine Sprechkultur, die im freien Theater nicht immer so vorhanden ist. Es ist ganz erstaunlich, was hier geleistet wird. 
Sind in Hannover noch Preise fürs Freie Theater zu vergeben? Ist noch ein bisschen Geld in den Fördertöpfen? Das Theater an der Glocksee wäre auf jeden Fall ein würdiger Empfänger.« 

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Ronald Meyer-Arlt, 01.03.2013
 
»Was heißt es, plötzlich Flüchtling zu sein? (...) Das Theater an der Glocksee hat das in einer Bühnenfassung konkret erfahrbar gemacht. (...) Helga Lauenstein und Jonas Vietzke umreißen als Erzähler und selbst Betroffene die ausweglose Situation. Was tun ohne Aufenthaltsgenehmigung, ohne Sprachkenntnisse, ohne Arbeit? Regisseurin Lena Kußmann hat Mut zu Langsamkeit und Stille. Der ausgeklügelt konstruierte dreiteilige Bühnenraum von Ulrike Glandorf wird immer wieder neu benutzt und definiert. (...) Die Umkehrung des Blickwinkels ist gelungen. Das ist Erlebnistheater mit wirklichem Zugewinn ohne moralische Keule. Langer, enthusiastischer Applaus.«

Neue Presse, Harald Holstein, 02.03.2013

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